Archiv für Juli 2010

Einundzwanzig Opfer bei der Loveparade in Duisburg, über dreihundert Verletzte!
Und Millionen sind traumatisiert, geschockt über den traurigen Ausgang!
Heute um 11 Uhr war eine „weltumspannende“ Gedenkminute für die Opfer.
Das hat geholfen, vor allem denjenigen, die nicht dabei waren und die niemanden kannten und anscheinend auch nicht vorher wussten, dass die Loveparade stattfand.
Nun wurden Masseneinladungen für das Schweigeminuten-Event verschickt.
Alleine bei Facebook über 500 000 Stück, von denen ca. 180 000 zugesagt haben, um 11 Uhr den Kopf zu senken.
Was man überhaupt nicht tun darf, ist an der Trauer der Unbeteiligten, aber Traurigen zu zweifeln, denn dann ist man der Anti-Christ schlechthin, eiskalt, seelenlos. Wenn man mal Soziologie studiert hat, ist man sowieso noch schlimmer dran, denn obwohl man Soziologie studiert hat, ist man unsozial, denn als Soziologe darf man nur gedenken an die Toten, weil es sonst ja ein Widerspruch ist, denn ein Soziologe muss mitfühlen.
An Niveaulosigkeit lässt es sich nicht unterbieten, welchen geistigen Sermon „Trauernde“ von sich lassen, nur um ihre eigene Meinungslosigkeit zu rechtfertigen.
Es ist doch auch schön, einfach mit dem Strom zu schwimmen und zu heulen, damit der Strom noch breiter wird und noch mehr von den toten Fischen erreicht.
Es ist ein Phänomen, das Massentrauern.
Man trauert nur, weil man trauern muss, nicht weil es einen berührt.
Das ist wirklich traurig … und zynisch obendrein!

Wir benutzen – weil wir Freunde in vielen Netzwerken haben – Pidgin.
Pidgin unterstützt viele Chat‑, Messenger‑ und IM-Protokolle, weswegen wir es benutzen.
Der Vorteil liegt klar auf der Hand.
Man benötigt nicht mehr mehrere Messenger, denn Pidgin liefert alles unter einer Haube.
Eine Kuriosität haben wir bei einem sog. Nightly-Build von Pidgin entdeckt.
Nightly-Builds sind über Nacht erzeugte Programme, die kleinere Fehler beheben oder Neues mitbringen.
Wir konnten über ICQ mit vielen Leuten sprechen, haben uns aber nichts dabei gedacht.
Irgendwann sah mich Glühwürmchen/Superfliege, obwohl ich als abwesend deklariert war.
Nach ein paar Tests bekamen wir heraus, dass das Nightly-Build von Pidgin einen Programmierfehler hatte.
Das Nightly-Build, dass Glühwürmchen/Superfliege benutzte, war einen Tag jünger als meins, und hatte den Fehler nicht mehr.
Der Programmierfehler bestand darin, dass der Programmteil, der für die Kommunikation mit ICQ zuständig ist, jeden als „anwesend“ darstellt, auch wenn dieser sich selbst den Status „abwesend“ oder „unsichtbar“ gegeben hat.
Ich habe die Codes analysiert und verglichen. Eine kleine sog. Routine fragt etwas Falsches ab.
Dieses Stückchen Code habe ich auch in neuere bzw. jüngere Versionen von Pidgin eingepflegt und kann immer noch sehen, wer bei ICQ eingeloggt ist, obwohl er „unsichtbar“ ist.
Ich habe übrigens den Programmteil ausgelagert in ein sog. Zusatzprogramm (Plugin), das ich zuschalten kann, wenn ich mal Lust habe zu sehen, wer „wirklich“ online ist.
Es ist schon interessant, wenn man plötzlich jemandem ein Telegramm schickt, der offiziell gar nicht da ist oder ihm sagen kann, wann er online war.

Wir leben in einer Pornogesellschaft.
Früher hieß es: „Gehen wir zu dir oder zu mir?“
Heute heißt es: „Gehen wir zu dir oder machen wir es gleich hier?“
Die Jugendlichen wissen noch genau, welche Stellung sie wann mit wem durchgeführt haben und in welcher Reihenfolge, doch wenn man sie fragt: „Macht Küssen schwanger?“, antworten sie: „Ja!“.

Und der Mittwoch war ein Donnerstag.
Und der Montag ein Dienstag und alle Tage waren verlogen, weil sie keine Tage der Arbeit waren.
Zweifle nie an der Intelligenz Anderer!
Schon gar nicht an unserer!
Hochmut und Arroganz
zielen auf soziale Distanz.
Hochmut kommt vor dem Fall.
Altes Sprichwort, Quelle: Bibel, Spr 16,18

Manchmal hat man im Straßenverkehr ja nichts außer Aufpassen zu tun …
Die Schwaben hupen im Straßenverkehr ja wegen jeder Kleinigkeit.
So dachte ich, dass ich mal jemanden mit Hupen ärgern sollte.
Ich stand an der Ampel und trank etwas Mineralwasser. Links neben mir stand ein anderes Auto.
Wir hatten beiden wegen der hohen sommerlichen Temperaturen die Fenster offen.
Während ich trank, hupte ich und tat so, als wäre nichts geschehen.
Mein „Nachbar“ schaute erschrocken zu mir herüber.
Ich nahm scheinheilig meine Mineralwasserflasche vom Mund und fragte ihn lakonisch: „Hupst Du, weil ich Wasser trinke?“
„Ich habe nicht gehupt“, antwortete er wahrheitsgetreu, noch!
Ich spielte dominant und etwas aggressiv, drehte mich nach hinten, zu den Seiten, zuckte mit den Schultern und rief zu ihm herüber: „Wir sind hier die Einzigen an der Straßenecke. Meinst Du etwa, meine Flasche hupt?“
Und jetzt kam etwas „Sagenhaftes“.
Mein Ampelnachbar ließ sich durch mein dominantes Auftreten manipulieren und zweifelte an sich selbst.
„Ich habe mir gerade etwas aufgeschrieben“, sagte er kleinlaut, „Dabei muss ich wohl auf die Hupe gekommen sein. Tut mir leid!“
Richtig gelesen!
Er hat sich für etwas entschuldigt, was er definitiv nicht getan hat.

Das ist jetzt nicht intelligent gelöst.
Man kommt nur sehr unbequem ins Haus.
Was macht man nur, wenn man vollbepackte Einkaufstaschen hat?
Der Architekt hat hier aber völlig daneben geplant …

„Fang das Licht von einem Tag voll Sonnenschein!
Halt es fest, schließ es in deinem Herzen ein!“
(Karel Gott, tschechischer Sing-Sang-Philosoph)
Die Frage ist nur, ob das Licht als Funken im Oberstübchen landet.
Manche Leute des „realen Lebens“ wissen mehr über andere als über sich selbst.
So titulieren sich sich selbst als „Lebensberater“ bzw. Coaches und legen anderen dar, wie diese ihr Leben in den Griff bekommen soll(t)en, scheitern aber selbst an ihrem Leben.
Großartig angelegt „Programme der Lebenshilfe“ als Allheilmittel der eigenen gescheiterten Existenz und Unfähigkeit, sich zu bewegen und über seinen eigenen Tellerrand zu schauen!
Bei den Gesprächen zwischen dem „Coach“ und den Probanden erzählt der Coach, wie sehr doch alles gut werden kann, wenn man nur dem Beispiel des Coaches folgt.
Dem Coach, der es im realen Leben zu nichts gebracht hat, außer dass er Coach ist!
Der Coach selbst träumt von seinem besseren Leben und meint dadurch, dass er Coach ist, Ablass für seine Sünden der Unbeweglichkeit leisten zu können, ohne dass er aber über sich selbst nachdenkt.
Er verlangt von den Probanden Veränderung, schafft aber nicht ein Tickelchen Veränderung in seinem ihn unglücklich machenden Leben zu bewegen.
„Ich habe es auch geschafft“, sagt er es, „ich bin Coach.“
Aber was hat er geschafft?
Nichts!
Er hat nicht mal seine eigenen Programme gelebt, erdreistet sich aber anderen aus seiner Erfahrung heraus ans Herz legen zu wollen, wie man sich verändern kann.
Man mixt esoterische Elemente – Religion ist nichts anderes als Esoterik. – mit seiner verkorksten Weltansicht des „Panta rei – ich aber nicht.“ und versucht so, das Licht zu erhellen.
Doch aus vom Licht bliebt nicht mal ein Funken übrig!
Früher war einiges einfacher, so zum Beispiel auch Adressangaben.
Das Klinikum der Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule zu Aachen hatte im Jahre 1989 folgende Adrressangabe auf Geschäftsbriefen.

Sie gaben zu, dass sie keine Hausnummer hatten.

























