
Wie bei jedem, der einen außenliegenden Briefkasten hat, ist es auch hier beim Hochhaus so, dass man viel Werbung bekommt.
An der neuen Briefkastenanlage kann man Schilder anbringen, ob man Werbung bekommen möchte oder nicht.
Dies wird auch so gemacht.
Entweder steht an den Kästen „Werbung erwünscht“ oder „Bitte keine Werbung einwerfen!“.
Immer wieder erwischt man Leute, die auch dort Werbung einwerfen, wo keine erwünscht ist.
Ich habe jemanden angesprochen, der bei mir ein Faltblatt einwerfen wollte.
„Bei mir steht extra, dass ich keine Werbung will.“
„Das ist Reklame für eine Pizzeria.“
Schwupp, das Faltblatt war im Briefkasten.
Ich schloss den Kasten auf und drückte ihm das Faltblatt wieder in die Hand.
„Beim nächsten Mal werde ich ungehalten.“
„Ja, jaa!“
Ich ging ins Haus, lief aber lautlos um den Fahrstuhlschacht herum und ging aus der zweiten Tür wieder heraus.
Ich schloss meinen Briefkasten auf. Und was lag darin?
Das Faltblatt der Pizzeria.
Ich raunzte den Verteiler an: „Ich wollte keine Werbung.“ und drücke ihm das Faltblatt an die Brust.
Dieser verteidigte sich wieder mit „Reklame“.
Ich zitierte den Duden mit:
„Reklame, die; Genitv ‚der Reklame‘, Plural ‚die Reklamen‘ – Werbung; Anpreisung von Waren. Aus dem Duden 2006. Noch Fragen?“
Der Verteiler schaute mich unintelligent an und verstand wohl nicht ganz meinen Sarkasmus.
Ich blieb vor der Briefkastenanlage stehen und beobachtete ihn weiter beim Verteilen.
„Aaah!“, schrie ich jedesmal, wenn er mit seinem Material wieder bei einem Kasten angekommen war, auf dem „Keine Werbung“ zu lesen war.
Er warf das Blättchen dann nicht hinein.
Irgendwann zog er mürrisch ab.
Ich habe mein Schild modifiziert.
„Keine Werbung, Reklame und Warenanpreisungen einwerfen.“
Es sind aber immer wieder Werbeblättchen in meinem Briefkasten zu finden.
Gestern stand wieder ein Verteiler vor der Briefkastenanlage, als ich aus der Stadt zurückkam.
Ich tat so, als wäre ich mit meinen Rucksack beschäftigt und wartete neben der Briefkastenanlage.
Irgendwann wollte er bei mir ein Werbeblatt einwerfen.
„Haaaaaaaaaalt!“, rief ich laut.
Er drehte sich zu mir.
„Ich will keine Werbung“, sagte ich.
„Das ist keine Werbung …“, setzte er an, doch ich sprach ihm dazwischen: „Dort steht: ‚Keine Werbung, keine Reklame und keine Warenanpreisung‘.“
Er schaute mich noch etwas fragender an als vor einigen Sekunden.
„Ich will auch keine Produktinformationen, keine Angebotsinformationen, keine Hinweise, ob eine Pizzerie etwas Neues hat, ob eine Bratwurst oder eine Schachtel Pommes momentan billiger ist als sonst“, begann ich, „ Ferner interessiert mich auch nicht, ob ein Autohaus, ein Supermarkt, ein Diskounter oder ähnliches Sonderangebote hat. Ob irgendwas billiger geworden ist oder ob ein neuer Laden eröffnet hat, ist mir auch egal. Auch Hilfestellungen zu Versicherungen oder Fragen, ob ich eine neue Brille benötige, will ich nicht.“
Während ich den Verteiler verwirre, zieht eine Nachbarin das Werbeblatt aus ihrem Briefkasten und gibt es dem Verteiler zurück.
„Ich brauche ihnen ja nicht nochmal die Litanei vorzubeten, wie mein Nachbar es gerade gemacht hat.“
Als wir lachend im Aufzug nach oben fuhren, sagte meine Nachbarin: „Du bist echt grausam.“
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