Die Gedanken sind frei,
wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei
wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen
kein Jäger sie schießen.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.
Ich denke was ich will
und was mich beglücket
doch alles in der Still‘
und wie es sich schicket.
Mein Wunsch und Begehren
kann niemand verwehren.
Es bleibet dabei:
Die Gedanken sind frei.
Sperrt man mich gleich ein
im finsteren Kerker
das alles sind rein
vergebliche Werke;
denn meine Gedanken
zerreissen die Schranken
und Mauern entzwei:
Die Gedanken sind frei.
Drum will ich auf immer
den Sorgen entsagen
und will mich auf nimmer
mit Grillen mehr plagen.
Man kann ja im Herzen
stets lachen und scherzen
und denken dabei:
Die Gedanken sind frei.
Walther von der Vogelweide
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