
Wir schreiben den 24. Dezember im Jahre des Herrn 1965 (?), 1967 (?), … , 2008 (?).
Welches Jahr auch immer – alle Jahre wieder!
Die Heuchler pilgern zur Krippe, aber nicht um das Jesus-Kind zu sehen, sondern um in der Kirche von den anderen „Gläubigen“ gesehen zu werden.
Aufgetakelt mit Pelz und dem neuen Zwirn, den man wie jedes Jahr zu Heiligabend geschenkt bekommen hat, ziehen sie los, in Scharen.
In der Vorweihnachtszeit hat man sich durch horrende Spenden einen Logen-Platz in der Christ-Mette oder im Hochamt erkauft, und nun will man von den anderen deswegen bejubelt werden; doch muss man dann entsetzt feststellen, dass die Logen-Plätze von den regelmäßigen Kirchgängern besetzt sind.
So geht das nicht!
Selbst der Satz „Lasset die Kinder zu mir kommen!“ ist irrelevant, denn man platziert sich einzig und allein, um gesehen zu werden, vor die Kinder oder verscheucht diese von den Plätzen.
Wenn der Taler im Klingelbeutel klingt, die Nächstenliebe aus dem Herzen springt.
Hat man nun auf der heißbegehrten Bank Platz genommen, wird sich triumphierend umgeschaut, wer bei dem diesjährigen Jubel-Run der Verlierer ist.
Oh, du heuchlerische Christenheit!
2 Kommentare zu „Die Pilgerfahrt der Heuchler“
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@Erna:
So etwas Ähnliches haben meine Herzallerliebste und ich an Heiligabend in Tübingen erlebt.
Als wir über den Holzmarkt spazieren gingen, hörten wir Posaunenmusik und wollten in die Stiftskirche gehen.
„Ordner“ standen an den Eingangstoren und ließen niemanden (mehr) hinein.
Jetzt hat ein *schlauer* Politiker angeregt, dass nur noch diejenigen die Weihnachtsgottesdienste besuchen sollen dürfen, die auch Kirchensteuern bezahlen (weil über die Festtage die Kirchen zu voll seien). Was ist aber mit den Gläubigen, die keine Steuern, also auch keine Kirchensteuern bezahlen, weil sie entweder arbeitslos sind oder zu wenig verdienen????? Der Glaube bleibt dabei auf der Strecke, denn es geht wie immer nur ums Geld.