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Ein Interessent (Ⅰ) spricht den Personaldisponenten (P) einer „Leihfirma“ an.
| Ⅰ: | Guten Tag! |
| P: | Guten Tag! |
| Ⅰ: | Sind Sie auch im EDV-Bereich tätig? |
| P: | Weniger, eigentlich im gewerblichem. Aber wir können uns mal herumhören. Vielleicht ergibt sich etwas für Sie. |
| Ⅰ: | Das hört sich gut an. |
| P: | Haben Sie Erfahrung in dem EDV-Bereich? |
| Ⅰ: | Ich habe drei Jahre lang Fachinformatiker ausgebildet, und diese haben mit „sehr gut“ abgeschlossen. |
| P: | Dann kennen Sie sich also beim Programmieren aus. |
| Ⅰ: | Nicht nur das. Als leitender Ausbilder muss man nicht nur einige Programmiersprachen beherrschen, sondern sich auch mit Netzwerken auskennen, etwas kaufmännisches Grundwissen haben etc. Ich habe aber auch Kaufleute im Office-Bereich ausgebildet. Ich bin Microsoft zetrifizierter Office-Specialist. |
| P: | Das hört sich ja gut an. Wir finden bestimmt etwas, und mit Glück werden Sie dann auch übernommen. |
| Ⅰ: | Ist Ihr Unternehmen Tarifpartner? |
| P: | Ja, das sind wir. Das zeichnet uns aus, das sind ja nicht viele. |
| Ⅰ: | Ich frage deswegen, weil ich Ihr Poster sehe, auf dem 4,89 Euro steht. |
| P: | … Das ist der Grundlohn… |
| Ⅰ: | Laut Tarifvertrag der Zeitarbeitsunternehmen bekommt ein Ungelernter ohne Erfahrung einen Grundlohn von 7,21 Euro. Dies ist der Mindestlohn. |
| P: | Daran sind wir aber nicht gebunden. |
| Ⅰ: | Sie sagten doch, Sie seien Tarifpartner. |
| P: | … Ja, schon … Aber wir können selbst verhandeln, welchen Einstiegslohn wir zahlen. |
| Ⅰ: | Aaah jaaa … Ich habe gestern zufälligerweise in den Tarifvertrag geschaut, und habe gesehen, dass ich als Angestellter mit langjähriger Erfahrung einen Lohn von knapp 14 Euro verlangen könnte. |
| P: | Wie gesagt, sind wir frei in der Festlegung des Einstiegslohn. |
| Ⅰ: | Sie nennen dies Einstiegslohn, was im Tarifvertrag aber Mindestlohn ist. Ich könnte Ihnen mit 13 Euro entgegen kommen. |
| P: | Das müssten wir von Fall zu Fall entscheiden, je nachdem, was die Firmen bezahlen. Wir wollen aber auch noch etwas verdienen. |
| Ⅰ: | Der Lohn richtet sich also nach dem, was der Entleiher bezahlt? |
| P: | So ist es. |
| Ⅰ: | Ich habe fast zehn Jahre als Leiharbeiter gearbeitet, aber sowas ist mir noch nie passiert. |
| P: | Wir bezahlen natürlich Durchschnittslohn. |
| Ⅰ: | Wie hoch wäre dieser in meinem Fall? |
| P: | Im kaufmännischen Bereich etwa acht Euro. |
| Ⅰ: | Ich habe wie gesagt mehrjährige Erfahrung. |
| P: | Deswegen kann ich Ihnen ja mit acht Euro entgegenkommen. |
Das Gespräch wurde von dem Interessenten abgebrochen.
Verständlich!
3 Kommentare zu „Im Gespräch mit einer „Leihfirma““
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Man fühlt sich da wirklich wie im Sumpf und die Arbeitgegber sollen einem raushelfen !?
Yepp!
Deutschland scheint sich in frühkapitalischen Lohnvorstellungen zu befinden, zumindest in den Köpfen der Arbeitgeber.
Pure Ausbeutung und moderne Sklaventreiberei.