
Wir haben Ende Juli in den neuen Song „Irgendwo“ von Pur – erscheint vorrausichtlich am 21.08.2009 – hereingehört und uns darüber Gedanken gemacht.
Irgendwo
Sie reden auf Dich ein
Schauen in Dich rein
Sie geben Dir nen guten Rat
Ein wirklich gutgemeintes Attentat
Auf Deine Seele, die Gequälte
Die mit sich selbst nicht ins Reine kommt
Und prompt macht sie zu
Weil sie keiner versteht
Bis sie im Nebel versinkt
Und sich alles dreht
Völlig ausgeklinkt
Völlig überfüllt und doch so leer
So schwerRefraim:
Irgendwo in dieser Welt
Liegt ein bisschen Glück versteckt
Irgendwo
Irgendwo in dieser Welt
Liegt ein bisschen Glück versteckt
Und ich wünsch mir so
Ich hätts für mich entdecktDu bist auf der Flucht
Versteckt in der Sucht
Süchtig nach dem Leben
Anstatt es wieder selbst zu leben
Du willst weg hier
Durch die Hintertür
Doch sie lassen Dich nicht
Sie haben Recht damit
Wie ein Tritt wirkt das
Weil Du nicht mehr verstehst
Dass man Dir helfen will
Bevor Du durchdrehst
Du bist Dir zuviel
Du bist überfüllt
Und doch so leer
So schwerRefraim: Irgendwo …
Unsere Gedanken dazu:
„Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, doch es kommt darauf an zu verändern.“, hat ein großer Denker und Soziologe gesagt.
In dem Song von Pur sieht man nur das Interpretieren.
Eine Person wird gequält, getreten und man nötigt sie, ihr Leben so zu leben, wie andere es wollen.
Drüber singt Pur.
Diese Person weiß, dass sie die Hölle durchmacht, doch sie findet sich damit ab, in dem sie meint, es reiche zu wissen, dass es irgendwo Glück gibt. Sie ist nicht auf den Weg dahin, sondern träumt – „macht die Seele dicht“ – wie es in dem Song heißt. Sie erkennt ihre Situation, beklagt sich darüber – interpretiert ihre Welt – wie gesungen wird.
Sie gibt sich aber damit zufrieden, dass irgendwo draußen das Glück ist.
Dann schwenkt der Text um.
Die Person will raus, will nicht länger zwischen den Mahlsteinen leben.
Doch andere raten ihr, sie solle nicht gehen, weil irgendwo da draußen das Glück ist.
Sie wünscht sich so, sie hätte es entdeckt.
Außer den Träumen und Wünschen bewegt sich die Person aber nicht.
Sie wird ihr Glück niemals finden.
Sie muss die Mühlsteine verlassen und nicht hoffen, dass sie von alleine aufhören zu mahlen.
Wir haben den Song – wie oben erwähnt – schon Ende Juli probegehört und waren enttäuscht.
Wir hofften, dass vielleicht es etwas anders gemeint gewesen wäre, doch wir lagen mit unserer Einschätzung richtig, was ein Interview mit Pur bestätigte.
Hartmut Engler, Sänger von Pur, der vor kurzem in einer psychiatrischen Klinik eine (Alkohol‑)Entziehungskur gemacht hatte, beschrieb die Bedeutung des Songs.
Es sei manchmal so, dass man ausbrechen wolle, weil man es nicht mehr aushalte und weil man von allen Seiten Druck bekäme. Es sei auch so, dass man einen Schnitt machen wolle, um sein Leben zu ändern – Betonung auf „sein Leben“!
Dann müssten eben die, mit denen man zusammen durch die Zeit geht, die Handbremse ziehen und sagen: „Du hast zu funktionieren und Du machst gefälligst das, was man von Dir verlangt! Alle Andere hat Dich nicht zu interessieren. Du hast eine Aufgabe! Mehr nicht!“
Stellen wir uns eine Ehe vor, in der sich die Ehepartner nur noch angiften!
Die Frau sagt sich irgendwann, dass es keinen Sinn mehr habe, einfach so weiterzumachen und so zu tun, als sei alles im Lot.
Sie akzeptiert z. B. nicht mehr die Alkoholsucht des Mannes und hat ihn immer und immer wieder daraufhingewiesen, in Therapie zu gehen. Da der Mann nicht aufhört, Alkohol zu trinken, hat sie sich entschieden, ihn zu verlassen.
Laut „Irgendwo“ von Pur hat sie allerdings die Aufgabe, weiter zu funktionieren. Sie soll funktionieren, weiter funktionieren. Einfach ihren Teil in der Ehe weiter ausfüllen und die Alkoholsucht ihres Mannes weiter akzeptieren.
Weiter die Hölle durchmachen!
„Irgendwo in dieser Welt liegt ein bisschen Glück versteckt.“
Die Frau kann sich laut Pur glücklich schätzen, zu wissen, dass es irgendwo Glück gibt, es muss ja nicht ihres sein.
Das ist zynisch und entbiert jedem realistischem Denken!
Setzen – Sechs!
Es kann nur eine Lösung geben:
Blauer Lippenstift und eine Zigarette im Mundwinkel
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