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Gestern, Montag, den 17.10.2011, trafen sich Stuttgart-21-Befürworter zur sog. Abkratzaktion.
Diese Aktion findet seit knapp einem Jahr statt.
Sinn und Zweck ist, Stuttgart sowohl von Pro-S21- als auch Kontra-S21-Aufklebern zu „befreien”, also diese abzukratzen bzw. zu entfernen, um ein „neutrales Bild” zu erhalten.
Da natürlich der Abkratz-Aktion auch Kontra-S21-Aufkleber zum Opfer fallen, gefällt dies nicht den S21-Gegner.
Gestern hatte sich auch die ehemalige Vekehrsministerin von Baden-Württemberg, Tanja Gönner, angemeldet, bei der Aktion teilzunehmen.
Im Vorfeld wurde auf diversen Webseiten, Foren und Blogs der S21-Gegner aufgerufen, Randale zu machen.
Bei der Abkratz-Aktion wurden die S21-Befürworter massiv genötigt, nachdem man sie gejagt und eingekesselt hatte.
Eine sechsköpfige Gruppe der S21-Befürworter wurde von ca. 150 S21-Gegnern eingekesselt und mit lauten Trillerpfeifen genötigt, knapp eine halbe bis dreiviertel Stunde beleidigt, bedroht und dergleichen.
Die Polizei musste eingreifen, um die Leute zu befreien.
Die S21-Gegner behaupten mal wieder wie üblich, es wäre alles nicht so schlimm gewesen, und zischeln zynisch, die S21-Befürworter hätten sich ja auch an einem Montag, an Montagen finden immer die Anti-S21-Demonstrationen statt, nicht in Stuttgart aufhalten müssen.
So viel zum Rechts- und Demokratieverständnis der S21-(Hardcore-)Gegner!
| Dieses Video zeigt die Nötigung der S21-Befürworter durch die S21-Gegner. Laut den S21-Gegner war ja alles nicht so schlimm. |
Eine Betroffene berichtet über die Nötigung.
Hier mal mein Versuch einer halbwegs sachlichen Schilderung der „eingekesselten” 6 Befürworter um *****, ***** und mich
Wie jeden Montag (seit über einem Jahr) haben wir uns am I‑Punkt in der Stuttgarter Innenstadt getroffen, um Aufkleber aus der Stuttgarter Innenstadt zu entfernen. Wir entfernen dabei konsequent ALLE Aufkleber im Zusammenhang mit S21, K21, Neubaustrecke und allen ähnlich gelagerten „Bäppern”.
Für den 17.10. wurde uns angekündigt, dass Tanja Gönner dazukommen würde – wobei wir bereits wussten, dass sie NICHT zum I‑Punkt kommt, sondern wir sie etwa 30 Minuten später am Schlossplatz treffen würden – dass diese Information den K21ern nicht bekannt war, hatte Sicherheitsgründe.
Wie gewohnt sammelten wir uns also am I‑Punkt zur IG-Kehrwoche, um Aufkleber abzukratzen. Doch schon vor der verabredeten Zeit waren mehr Projektkritiker anwesend, als „Kehrwochenteam” … zunächst kam es nur zu kleineren Diskussionen am Rande – bis erste laut-aggressive Sprechchöre laut wurden: „Tanja kratz ab”.
Kurz haben wir uns abgesprochen und dann beschlossen, dass wir uns in mehrere Gruppen aufteilen und auf verschiedenen Wegen zum Treffpunkt mit Tanja Gönner loslaufen – wir hofften, dass sich dadurch auch die Projektkritiker verstreuen – und vll. so mancher die Lust verliert, uns zu folgen.
Ich gehörte zu einer Gruppe von 6 Befürwortern, die auf der Königstraße (rechte Seite) Richtung Bolzstraße laufen wollten – andere gingen durch die Passage in Richtung Schlossgarten – wieder andere Richtung Lautenschlager Straße, 5 Leute liefen parallel zu uns links auf der Königstraße.
An einer Laterne entdeckten wir mehrere Aufkleber und begannen, diese abzumachen, da kam ein Mann in roter Jacke auf uns zugestürmt und fotografierte uns „wie irre”. Einem meiner Mitstreiter hielt er dabei mehrmals die Kamera direkt vor das Gesicht und blitzte ihm in die Augen – nach mehrmaligen Bitten, das zu unterlassen (und Ignorieren dieser Bitte) hob der Befürworter die Hand und verdeckte das Objektiv …
Dann ging es plötzlich sehr schnell – während noch das Deeskalationsteam der Polizei diesen Vorfall aufnahm (und der deswegen angeblich „kaputten” Kamera), versammelten sich um uns mehr und mehr Projektkritiker … trillerten mit Pfeifen direkt in unsere Ohren und brüllten uns an „Nazis” – „Provokateure” – „kratzt ab” und so weiter. Je lauter es um uns wurde, desto größer schien diese Menschentraube um uns 6 (SECHS!!!!!!!!!) Befürworter zu wachsen. Die 4 Polizisten Deeskalation sprachen hektisch in ihre Walkitalkis (der Mensch mit der weißen Parkschützer-Weste „Deestkalation” suchte das Weite und wart bis zum Ende der Geschichte unsichtbar) – blieben Nahe bei uns – aber wir hatten keine Möglichkeit, einfach zu gehen – wir waren im wahrsten Sinne des Wortes eingekesselt von einer Menge trillerpfeifender und wütende Beleidigungen rufender Menschen mit grünen Buttons und bösen Gesichtern.
Dieser Situation des Gefangen sein in einer „wütenden, schreienden und trillerpfeifenden” Menschenmenge, die uns zu allem Überfluss auch immer wieder mit Aufklebern beklebt haben, waren wir etwa 40 Minuten ausgesetzt, bis durch weitere Polizisten eine Gasse freigemacht werden konnte, durch die wir dieser Situation entfliehen konnten – die Polizei führte uns zunächst Richtung Friedrichstraße … doch schnell drohte wieder, dass sich diese Menschenmenge um uns schließt – daraufhin wurden wir zum Steigenberger Hotel geführt – hier befand sich ein Bauzaun … an den beiden möglichen Eingängen postierte sich die Polizei – wir 6 standen in der Mitte und warteten ab, was wohl weiter passiert. Durch die kleine Baustelle konnten wir nichts sehen, hörten aber mehrmals die Aufforderung durch Polizeilautsprecher, dass die Fahrbahn geräumt werden soll. In der Zeit wurden durch die Polizei unsere Personalien aufgenommen – als Beweis, dass wir wirklich die Geschädigten sind – denn insgesamt wurden wir genötigt, stehen zu bleiben – waren eingekesselt durch Projektkritiker – wurden dauernd massiv beleidigt – und um uns zu demütigen, wurden wir immer und immer wieder mit gelben Aufklebern (durchgestrichenes Stuttgart 21) BEKLEBT.
Im Schutz der Baustelle und durch die Straßenblockade auf der Friedrichstraße abgelenkt konnten wir uns dann über einen Seiteneingang davonstehlen … sind über Umwege dann zum ursprünglichen Treffpunkt gelaufen. Dort wartete schon ein zweiter Teil unserer Gruppe … Hier haben wir dann von anderen Übergriffen erfahren (z.B. wurde einer Befürworterin mit dem Ellenbogen bewusst die Luft zusgeschnürt „Schwitzkasten” – eine weitere Mitstreiterin hatte eine blutige Unterlippe).
Gerade als wir uns zum neu ausgemachte Treffpunkt mit Tanja Gönner aufmachten, kam schon wieder eine Menschenmenge trillerpfeifend hinter uns hergelaufen … wir haben uns dann beeilt, hinter die Polizeikette am Landtag zu kommen. Unter dem Schutz dieser Polizeikette trafen wir dann beim Staatstheater auf Tanja Gönner und diejenigen Befürworter, die den Weg durch Passage und Schlossgarten gewählt hatten – an unsere „normalen Kehrwoche” kein Gedanke mehr – die Polizei hielt die Menschen zurück, die wieder laut „Tanja kratz ab” skandierte. Kurze Ideen, wo wir ungefährdet Aufkleber abkratzen könnten, wurde wegen der Menschenmenge schnell verworfen.
Nach Rücksprache wurde uns erlaubt, uns statt dessen in das Gebäude des Landtags zurückzuziehen und abzuwarten, bis sich die Menge verteilt. Gegen 22 Uhr kam dann die Information, dass wir das Gebäude jetzt gefahrlos verlassen können.
Das war jetzt der Versuch der sachlichen Schilderung. Wie ich mich GEFÜHLT habe, eingekesselt in einer wütenden Menschenmenge, die mir ins Ohr brüllt – ins Ohr pfeift – die mir keinen Weg zu Flucht lässt – mich beleidigt, mich mit Aufklebern verklebt … mich und 5 andere Befürworter – DAS kann ich nicht beschreiben – und ich wünsche NIEMANDEM so eine Situation.
Was ich wirklich fühle: NICHTS … keine Angst, keine Wut, keinen Zorn, kein Hass – allenfalls empfinde ich bittere Enttäuschung … und verabschiede mich vom Gedanken echter Demokratie.
Wir wollen diesen Bericht umkommentiert so stehen lassen.







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