Verbotenes bei der Liebe
„Was ich bei diesem Aristokratengeschwafel nicht verstehe, ist“, sagte ich mit einem leichten Seufzer zu meiner Nachbarin, „dass diese Tanja von Anstetten in gewisser Hinsicht anwesend ist, auch wenn man sie nicht sieht.“
„Das ist doch klar“, kam die Antwort, „die hat ja Natalie und Ansgar von Lahnstein ziemlich zugesetzt, bevor sie angeblich starb.“
„Schon klar“, meinte ich mit ironischem Unterton in der Stimme, was meine Nachbarin dazu veranlasste, mir genau zu erklären, worum es eigentlich genau bei „Verbotene Liebe“ ging.
„Ansgar hat ja endlich wieder geheiratet und Tanja ist gekränkt.“
„Ich dachte, die sind sich spinnefeind.“
„Ja, sind sie ja auch … Jedenfalls hat Tanja Natalie vorgetäuscht, dass Ansgars und Tanjas gemeinsamer Sohn durch Natalies Unachtsamkeit im See ertrunken und abgetrieben ist. Anschließend hat sie ihren eigenen Tod vorgetäuscht.“
„Und das hat natürlich niemand gemerkt“, hakte ich nach.
„Ja, wie denn? Sie hat einen Pathologen bestochen, dass er ihr ein Mittel gibt, durch das sie in einen scheintodähnlichen Schlaf verfällt.“
Jetzt war mir alles klar. Weil Tanja Ansgar leiden sehen wollte, da er gegen ihren Willen wieder geheiratet hatte, inszenierte sie ihren eigenen Tod.
Dabei half ihr ein Pathologe, der ihr einen medikamentösbedingten Scheintod verpasste, aus dem sie Stunden (Tage? Wochen? Monate? …) später wieder aufwachte.
Während ich stumm darüber nachdachte, schaute meine Nachbarin verbissen weiter „Verbotene Liebe“.
Als sie mein nachdenkliches Gesicht sah, meinte sie lächelnd: „Ansgar hat ja einen Verdacht gehabt, dass Tanja ein mieses Spiel trieb, aber das konnte er ja nicht beweisen. Und seine Familie hat ihn schließlich von Gegenteil überzeugt.“
„Die ganze Sache ist sehr unrealistisch“, wandte ich ein.
„Ach was“, verteidigte meine Nachbarin die veworrene Handlung, „das hat Tanja von langer Hand geplant. Sie konnte zwar die Hochzeit nicht verhindern, doch dafür bringt sie die beiden eben jetzt auseinander. Ansgar zerbricht ja innerlich wegen des Todes seines Sohnes. Weil er sich ja zurückzieht aus allem, geht auch seine Ehe mit Natalie in die Brüche.“
„Du glaubst doch nicht im Ernst, dass so etwas klappen könnte“, wandte ich ein und bekam ein Ach-du-verstehst-auch-gar-nichts-Gesicht zur Belohnung.
„Wenn Tanja das vorbereitet hat, kann man davon ausgehen, dass die Intrige klappt. Sie hat ja genug Geld, um alle möglichen Leute zu bestechen“, erklärte meine Nachbarin, „das kommt nie heraus.“
‚Was für ein Schwachsinn!‘, dachte ich.
Ich versank in tiefe Trauer – um die Zukunft des öffentlich-rechtlichen Fernsehniveaus.
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