Gedanken

Gib deinem Herzen ein Zeichen,
daß die Winde sich drehn.
Hoffnung ist ohne gleichen
wenn sie die Göttlichen sehn.

Richte dich auf und verharre
still in dem großen Bezug;
leise löst sich das Starre,
milde schwindet der Bug.

Risse entstehn im Verhängnis
das du lange bewohnt,
und in das dichte Gefängnis
flößt sich ein fühlender Mond.

Rainer-Maria Rilke – aus: Die Gedichte 1922 bis 1926

Rainer Maria Rilke
Schriftsteller
(1875–1926)
Rainer Maria Rilke

1875
4. Dezember: Rainer (eigentlich René) Maria Rilke wird als Sohn des Eisenbahninspektors Josef Rilke und dessen Frau Phia (geb. Entz) in Prag geboren.

1886–1891
Militärschulzeit.
Schon während seiner Schulzeit beginnt Rilke zu .

1894
Sein erster Gedichtband „Leben und Lieder“ erscheint.

1895
Abitur in Prag, wo er auch das Studium der Kunst‑ und Literaturgeschichte beginnt.

1896
Beginn seines Studiums der Philosophie an der Universität München.
Bekanntschaft mit der Schriftstellerin Lou Andreas-Salomé .

1897
Rilke folgt Andreas-Salomé nach Berlin.
Er ändert seinen Vornamen René in Rainer.

1899
Rilke schreibt sich als Student der Kunstgeschichte an der Berliner Universität ein.

1899⁄1900
Mit Andreas-Salomé bereist er zweimal Rußland und betreibt Studien für eine geplante, aber nie geschriebene Monographie über russische Maler.

1900
Er verbringt den Sommer in der Künstlerkolonie in Worpswede.
Dort lernt er die Bildhauerin Clara Westhoff und die Malerin Paula Modersohn-Becker kennen.

1901
Trennung von Andreas-Salomé und Heirat mit Westhoff.
Das Ehepaar zieht nach Westerwede bei Worpswede.
Geburt der einzigen Tocher Ruth.

1902
Mittellosigkeit zwingt Rilke zur Auflösung des Hausstandes und zur Übernahme monographischer Auftragsarbeiten.
Reise nach Paris, wo er den Bildhauer Auguste Rodin kennenlernt.
Der „Panther“, das erste der „Neuen Gedichte“, entsteht.

1903
Rilkes Monographie über Rodin erscheint in Berlin.

1903–1906
Seine Bekanntschaft mit Rodin sowie seine Reisen nach Paris, Rom und Skandinavien verändern Rilkes poetische Produktionsweise zugunsten eines „sachlichen Sagens“.

1905
Das „Stunden-Buch“ erscheint.
Wiederaufnahme des Philosophiestudiums in Berlin bei Georg Simmel.

1906
Rilke ist für kurze Zeit Privatsekretär bei Rodin.
Die zur Zeit der Jahrhundertwende entstandene und durch den Jugendstil beeinflußte „Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ erscheint.

1908
Zur Erinnerung an die 1907 verstorbene Modersohn-Becker schreibt Rilke das „Requiem für eine Freundin“.

1910
Sein Tagebuchroman „Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge“, an dem Rilke seit 1904 gearbeitet hat, wird veröffentlicht.

1912
Auf Schloß Duino bei Triest schreibt Rilke die ersten Elegien und „Das Marien-Leben“.
Gemeinsam mit Andreas-Salomé nimmt er an einem psychologischen Kongreß in München teil, wo er Sigmund Freud kennenlernt.

1914
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs schreibt Rilke fünf „Kriegsgesänge“.
Seine anfängliche Kriegsbegeisterung weicht der Erschütterung.

1915
Er wird wehrdiensttauglich geschrieben und in Böhmen eingesetzt.

1916
Versetzung ins Kriegsarchiv nach Wien.

1918
Nach Kriegsende zieht Rilke wieder nach München, wo er die Bekanntschaft von Hanns Eisler und Ernst Toller macht.

1919
Rilke verlässt Deutschland und wohnt an wechselnden Orten in der Schweiz.
Er lernt dort Alexander von Jawlensky kennen.

1921
Er bezieht das Schloß Muzot (Wallis, Schweiz).

1923
Die „ Duineser Elegien“ sowie „Die Sonette an Orpheus“ erscheinen.

1924–1926
Häufige Sanatoriumsaufenthalte in Val-Mont bei Montreux und Bad Ragaz wegen einer Erkrankung an Leukämie.

1926
29. Dezember: Rainer Maria Rilke stirbt in Val-Mont.
Postum erscheinen „Dichtungen des Michelangelo“ sowie ein umfangreiches Briefwerk.

Der Tag ging aus mit mildem Tone,
so wie ein Hammerschlag verklang.
Wie eine gelbe Goldmelone
lag groß der Mond im Kraut am Hang.

Ein Wölkchen wollte davon naschen,
und es gelang ihm, ein paar Zoll
des hellen Rundes zu erhaschen,
rasch kaut es sich die Bäckchen voll.

Es hielt sich lange auf der Flucht auf
und sog sich ganz mit Lichte an; –
da hob die Nacht die goldne Frucht auf:
Schwarz ward die Wolke und zerrann.

Rainer-Maria Rilke – aus: Larenopfer

Dietmar - Squizzle

Tschernobyl (ukrainisch: „Tschornobyl“) ist eine Stadt im Norden der Ukraine in der Kiewer Oblast, fünfzehn Kilometer entfernt von der Grenze zu Weißrussland.
Am 26. April des Jahres 1986 kam es um 1 Uhr 23 Minuten und 40 Sekunden aufgrund von Fehlmanipulationen zu einer Kernschmelze und Explosion des Reaktorkerns im Block Ⅳ des Kernkraftwerks nahe der ukrainischen Stadt Tschernobyl.

Zwanzig Jahre später scheinen manche Zeitgenossen noch nicht gemerkt zu haben, was es mit Tschernobyl auf sich hatte.
In , meiner Heimatstadt, wurden am Samstag, dem 22.04.2006, Flugblätter bezüglich des zwanzigsten Jahrestags der „Tschernobyl-Katastrophe“ verteilt.
Die Leute von der BUND-Jugend waren mit weißen Overalls bekleidet und trugen Hüte, die der eiförmig-zylindrischen Form eines Kernkraftwerks nachempfunden waren.

Zum Für und Wider von Kernkraftwerken wurde in den letzten Tagen viel gesagt, deswegen werde ich hier nichts darüber .

Mir ist etwas anderes aufgestoßen.
Als die Jugendlichen Flugblätter gegen Kernenergie verteilen, die sehr gut aufgenommen wurden, trafen sie auch auf einen Mann, der mir besonders auffiel.
„Guten Morgen“, sagte einer der jungen Leute zu dem alten Mann und zeigte ihm ein Flugblatt, „wir würden uns gerne mit Ihnen überr Tschernobyl und Kernenergie unterhalten.“
Die Antwort, die der Angesprochene von sich gab, konnte in mehrfacher Beziehung dummer nicht sein.

„Was haben wir mit Russland zu tun?“

Die ersten Keime sind, die zarten,
im goldnen Schimmer aufgesprossen;
schon sind die ersten der Karossen
im Baumgarten.

Die Wandervögel wieder scharten
zusamm sich an der alten Stelle,
und bald stimmt ein auch die Kapelle
im Baumgarten.

Der Lenzwind plauscht in neuen Arten
die alten, wundersamen Märchen,
und draußen träumt das erste Pärchen
im Baumgarten.

Rainer-Maria Rilke – aus: Larenopfer

Papst Benedikt XVI.

Vor einem Jahr wurde Josef Kardinal Ratzinger zum Papst gewählt.

Betend, flehend Weitere Informationen auf der Web-Seite des Vatikans

«Neapel»

Morgen wird in diesen tiefgekerbten
Gassen, die sich durch getürmtes Wohnen
unten dunkel nach dem Hafen drängen,
hell das Gold der Prozessionen rollen;
statt der Fetzen werden die ererbten
Bettbezüge, welche wehen wollen,
von den immer höheren Balkonen
(wie in Fließendem gespiegelt) hängen.

Aber heute hämmert an den Klopfern
jeden Augenblick ein voll Bepackter,
und sie schleppen immer neue Käufe;
dennoch stehen strotzend noch die Stände.
An der Ecke zeigt ein aufgehackter
Ochse seine frischen Innenwände,
und in Fähnchen enden alle Läufe.
Und ein Vorrat wie von tausend Opfern

drängt auf Bänken, hängt sich rings um Pflöcke,
zwängt sich, wölbt sich, wälzt sich aus dem Dämmer
aller Türen, und vor dem Gegähne
der Melonen strecken sich die Brote.
Voller Gier und Handlung ist das Tote;
doch viel stiller sind die jungen Hähne
und die abgehängten Ziegenböcke
und am allerleisesten die Lämmer,

die die Knaben um die Schultern nehmen
und die willig von den Schritten nicken;
wahrend in der Mauer der verglasten
spanischen Madonna die Agraffe
und das Silber in den Diademen
von dem Lichter-Vorgefühl beglänzter
schimmert. Aber drüber in dem Fenster
zeigt sich blickverschwenderisch ein Affe
und führt rasch in einer angemaßten
Haltung Gesten aus, die sich nicht schicken.

Rainer-Maria Rilke – aus: Der neuen Gedichte anderer Teil

Il était une fois, une poule qui s’appelait Gertrude.
Elle pondait ses œufs partout, mais elle ne les retrouvait jamais.
En plus, elle ne voyait pas bien, elle était myope.
Les animaux de la ferme décidèrent de l’aider.
Ils voulaient peindre les œufs pour pouvoir les retrouver.
Le canard alla chercher le vert du nénuphar, le dindon le jaune des boutons d’or, le lapin le jaune clair des primevères, la pintade le violet de la violette et le pigeon le bleu de ciel.
Maintenant ils pouvait peindre les œufs de toutes les couleurs.
Mais ce sont les enfants de la ferme qui retrouvèrent les œufs multicolores.
Ils les ramassèrent dans un panier, et les déposèrent sous la poule Gertrude.
Elle pouvait maintenant les couver.
Depuis ce jour, les enfants peuvent trouver dans les pelouses, les jardins, tous les ans, des œufs de Pâques multicolores.

Une fleur

L’auteur : Michèle Sandrat-Peitz
(Michèle Sandrat-Peitz est notre enseignante française.)

rilke-panther

«Vollendetes»

(Ⅹ)

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben
Sie zu halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigts nicht. wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem? –

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
jenem Raum, der ihm nach Abend nimmt:
Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
und das willig Liegende verschwimmt –

Berge ruhe, von Sternen überprächtigt; –
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtig
obdachlos die Unverfänglichkeit.

Rainer-Maria Rilke – aus: Vollendetes

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Dietmar Schneidewind ist Journalist bei der European Press Federation

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