Gedanken

«Neapel»

Morgen wird in diesen tiefgekerbten
Gassen, die sich durch getürmtes Wohnen
unten dunkel nach dem Hafen drängen,
hell das Gold der Prozessionen rollen;
statt der Fetzen werden die ererbten
Bettbezüge, welche wehen wollen,
von den immer höheren Balkonen
(wie in Fließendem gespiegelt) hängen.

Aber heute hämmert an den Klopfern
jeden Augenblick ein voll Bepackter,
und sie schleppen immer neue Käufe;
dennoch stehen strotzend noch die Stände.
An der Ecke zeigt ein aufgehackter
Ochse seine frischen Innenwände,
und in Fähnchen enden alle Läufe.
Und ein Vorrat wie von tausend Opfern

drängt auf Bänken, hängt sich rings um Pflöcke,
zwängt sich, wölbt sich, wälzt sich aus dem Dämmer
aller Türen, und vor dem Gegähne
der Melonen strecken sich die Brote.
Voller Gier und Handlung ist das Tote;
doch viel stiller sind die jungen Hähne
und die abgehängten Ziegenböcke
und am allerleisesten die Lämmer,

die die Knaben um die Schultern nehmen
und die willig von den Schritten nicken;
wahrend in der Mauer der verglasten
spanischen Madonna die Agraffe
und das Silber in den Diademen
von dem Lichter-Vorgefühl beglänzter
schimmert. Aber drüber in dem Fenster
zeigt sich blickverschwenderisch ein Affe
und führt rasch in einer angemaßten
Haltung Gesten aus, die sich nicht schicken.

Rainer-Maria Rilke – aus: Der neuen Gedichte anderer Teil

Il était une fois, une poule qui s’appelait Gertrude.
Elle pondait ses œufs partout, mais elle ne les retrouvait jamais.
En plus, elle ne voyait pas bien, elle était myope.
Les animaux de la ferme décidèrent de l’aider.
Ils voulaient peindre les œufs pour pouvoir les retrouver.
Le canard alla chercher le vert du nénuphar, le dindon le jaune des boutons d’or, le lapin le jaune clair des primevères, la pintade le violet de la violette et le pigeon le bleu de ciel.
Maintenant ils pouvait peindre les œufs de toutes les couleurs.
Mais ce sont les enfants de la ferme qui retrouvèrent les œufs multicolores.
Ils les ramassèrent dans un panier, et les déposèrent sous la poule Gertrude.
Elle pouvait maintenant les couver.
Depuis ce jour, les enfants peuvent trouver dans les pelouses, les jardins, tous les ans, des œufs de Pâques multicolores.

Une fleur

L’auteur : Michèle Sandrat-Peitz
(Michèle Sandrat-Peitz est notre enseignante française.)

rilke-panther

«Vollendetes»

(Ⅹ)

Wunderliches Wort: die Zeit vertreiben
Sie zu halten, wäre das Problem.
Denn, wen ängstigts nicht. wo ist ein Bleiben,
wo ein endlich Sein in alledem? –

Sieh, der Tag verlangsamt sich, entgegen
jenem Raum, der ihm nach Abend nimmt:
Aufstehn wurde Stehn, und Stehn wird Legen,
und das willig Liegende verschwimmt –

Berge ruhe, von Sternen überprächtigt; –
aber auch in ihnen flimmert Zeit.
Ach, in meinem wilden Herzen nächtig
obdachlos die Unverfänglichkeit.

Rainer-Maria Rilke – aus: Vollendetes

Im «Jardin des Plantes», Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf –. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

Rainer-Maria Rilke – aus: Neue Gedichte

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