Artikel-Schlagworte: „Vergangenes“

Es gibt schon Zufälle …

Im Rahmen der Personenbeförderung fuhr ich eine Frau nach Waldorf-Häslach.

Wir kamen ins Gespräch, dass meine Herzallerliebste und ich dort in der Nähe, in Dettenhausen, gewohnt hätten, nun aber unser Dominzil in Böblingen hätten.
Die Frau erzählte, dass sie sich vor kurzem ein Haus in Dettenhausen angeschaut habe – in der Nähe des Bahnhofs.
Da ich keine Straße genannt hatte, fragte ich, wo das denn gewesen wäre.

Sie sagte: „Schliffstraße, Nummer 9, ein kleines weißes Haus.“
Die Frau, übrigens gebürtig aus Dresden, beschrieb das Haus ganz genau von innen.

Zwei Personen, die sich nicht kennen, haben sich durch Zufall kennengelernt und haben sich auch noch zufäligerweise das gleiche Haus angeschaut.

Alter Mann

„Vor fünfzig Jahren habe ich den Grund gekauft, auf dem jetzt das Altenheim steht“, sagte der alte Mann, „Man muss schon früh ans Alter denken. Ich habe auch das Altenheim gebaut.“

Der alte Mann trägt alte abgewetzte Kleidung und ist ungepflegt. Er raucht eine Billigmarke Zigaretten.
Morgens wird er von den Altenpflegern geweckt, steht dann auf und geht pünktlich frühstücken im Gemeinschaftssaal.
Dann geht er wieder hoch, liest Zeitung oder sieht fern. Pünktlich ist er wieder zum Mittagessen im Gemeinschaftssaal, und zum Abendessen auch.
Die Alterpfleger bringen ihn dann irgendwann abends – immer zur gleichen Zeit – ins Bett – Tag ein, Tag aus, Jahr ein, Jahr aus.

Wenn er andere Leute trifft, erzählt er ihnen, wie es im Krieg war. Er war an allen Fronten, in Rommels Afrikaheer, lag vor Stalingrad, hat die Brücke von Remagen verteidigt.

Ein bewegtes Leben!

Mal davon abgesehen, dass nach seinen Kriegseinsätzen der Krieg hätte mindestens zwanzig Jahre dauern müssen!

Die Kriegsveteranentreffen finden regelmäßig alle paar Wochen statt und dauern uuunheimlich laaange, weil man sich ja sooo viel zu erzählen hat.
Man sieht den alten Mann aber jeden Tag, ohne Unterbrechung, beim Frühstücken, Mittagessen und Abendessen im Altenheim.

Nach dem Krieg hat er das Grundstück gekauft und dann das Altenheim erbaut, in dem er nun wohnt. Er wohnt in seinem Heim, dass ihm gehört und das er konzipiert hat.
Er steht zwar nicht in der Historie oder Chronologie bzw. dem „Lebenslauf“ des Heims, man findet ihn auch nicht als ehemaligen Besitzer in den Grundbüchern oder in den Akten der Liegenschaftsämter.

Die Geschichten erzählt er den Pflegern, den Sitznachbarn beim Friseur oder auf dem Amt, jedem, der es wissen will oder nicht.

Wenn man es zum tausendsten Mal erzählt, glaubt man es nämlich selber.

Es ist doch schön, Post zu bekommen, auch wenn man sie gar nicht will …

Totes Wissen zu haben, bedeutet, etwas auswendig gelernt zu haben, abgespeichert zu haben, und nicht darüber nachgedacht zu haben.

Wissen ist nicht gleich Information.

Information wäre totes Wissen, weil es ohne Zusammenhänge abgespeichert wurde.

Der Historiker und Politologe Robert Traba sagte dazu:

„Alle Schüler in Deutschland wissen: Am 1. September 1939 wurde Polen von den Deutschen überfallen, der Zweite Weltkrieg hatte damit begonnen. Doch in den allermeisten Fällen ist das doch totes Wissen, ein totes Datum. Auswendig gelernt, um in der nächsten Klassenarbeit eine gute Note zu schreiben. Es ist bestimmt keine lebendige Aufarbeitung der Geschichte. Dazu wäre es wichtig, wirklich über alle relevanten historischen Ereignisse zu reden, aber in einem ganz bestimmten Kontext.“

Wahl in Deutschland - Einige Parteien

Eine Erhebung unter Wahlberechtigten, die am 27.9.2009 die Bundesregierung wählen dürfen, hat zu Tage gefördert, dass mehr als ein Drittel eben dieser potentiellen Wähler nicht weiß, welche Parteien die Regierung bilden.
Wissen diese potentiellen Wähler dann auch nicht,  was die Regierung in den zurückliegenden Jahren getan hat?

Wohl nicht!

Vor der Wahl der momentanen 16. Regierung unter Angela Merkel hat die CDU gesagt, sie wolle die Mehrwertsteuer von derzeit 16 Prozent auf 18 erhöhen.
Die SPD, zu der Zeit noch an der Regierung, hatte sich strikt gegen jegliche Mehrwertsteuererhöhungen ausgesprochen.
Ebenso sprachen sich sowohl die CDU gegen eine große Koalition mit der SPD aus, als auch die SPD mit der CDU.
Nach der Wahl koalitierten CDU und SPD und bildeten die Regierung.
Ebenso schufen sie ein mathematisches Phänomen.
Der Mittelwert zwischen 16 Prozent Mehrwertsteuer, wie sie laut SPD vor der Wahl versprochen bleiben sollte, und 18 Prozent, wie von der CDU es vorhatte, ergaben dann eine Mehrwertsteuer von 19 Prozent.
So ging es dann auch weiter.
Franz Müntefering wurde in einer Diskussionsrunde deswegen angesprochen, sagte aber: „Wir werden als Koalition an dem gemessen, was in Wahlkämpfen gesagt worden ist. Das ist unfair.“

Ebenso ging es aber seitens der CDU so weiter.
Die SPD brachte ein Gesetzesvorhaben ein und die CDU verweigerte sich einige Zeit, stimmte dann aber doch zu.
So ging es weiter.

Wen soll man eigentlich wählen? Diesen Beitrag weiterlesen »

Schreiben Denkscheiben
Wir haben Ende Juli in den neuen Song „Irgendwo“ von Pur – erscheint vorrausichtlich am 21.08.2009 – hereingehört und uns darüber Gedanken gemacht.

Irgendwo

Sie reden auf Dich ein
Schauen in Dich rein
Sie geben Dir nen guten Rat
Ein wirklich gutgemeintes Attentat
Auf Deine Seele, die Gequälte
Die mit sich selbst nicht ins Reine kommt
Und prompt macht sie zu
Weil sie keiner versteht
Bis sie im Nebel versinkt
Und sich alles dreht
Völlig ausgeklinkt
Völlig überfüllt und doch so leer
So schwer

Refraim:
Irgendwo in dieser Welt
Liegt ein bisschen Glück versteckt
Irgendwo
Irgendwo in dieser Welt
Liegt ein bisschen Glück versteckt
Und ich wünsch mir so
Ich hätts für mich entdeckt

Du bist auf der Flucht
Versteckt in der Sucht
Süchtig nach dem Leben
Anstatt es wieder selbst zu leben
Du willst weg hier
Durch die Hintertür
Doch sie lassen Dich nicht
Sie haben Recht damit
Wie ein Tritt wirkt das
Weil Du nicht mehr verstehst
Dass man Dir helfen will
Bevor Du durchdrehst
Du bist Dir zuviel
Du bist überfüllt
Und doch so leer
So schwer

Refraim: Irgendwo …

Unsere Gedanken dazu:

„Die Philosophen haben die Welt verschieden interpretiert, doch es kommt darauf an zu verändern.“, hat ein großer Denker und Soziologe gesagt.

In dem Song von Pur sieht man nur das Interpretieren.
Eine Person wird gequält, getreten und man nötigt sie, ihr Leben so zu leben, wie andere es wollen.
Drüber singt Pur.
Diese Person weiß, dass sie die Hölle durchmacht, doch sie findet sich damit ab, in dem sie meint, es reiche zu wissen, dass es irgendwo Glück gibt. Sie ist nicht auf den Weg dahin, sondern träumt – „macht die Seele dicht“ – wie es in dem Song heißt. Sie erkennt ihre Situation, beklagt sich darüber – interpretiert ihre Welt – wie gesungen wird.
Sie gibt sich aber damit zufrieden, dass irgendwo draußen das Glück ist.
Dann schwenkt der Text um.
Die Person will raus, will nicht länger zwischen den Mahlsteinen leben.
Doch andere raten ihr, sie solle nicht gehen, weil irgendwo da draußen das Glück ist.
Sie wünscht sich so, sie hätte es entdeckt.
Außer den Träumen und Wünschen bewegt sich die Person aber nicht.

Sie wird ihr Glück niemals finden.

Sie muss die Mühlsteine verlassen und nicht hoffen, dass sie von alleine aufhören zu mahlen.

Wir haben den Song – wie oben erwähnt – schon Ende Juli probegehört und waren enttäuscht.
Wir hofften, dass vielleicht es etwas anders gemeint gewesen wäre, doch wir lagen mit unserer Einschätzung richtig, was ein Interview mit Pur bestätigte.

Hartmut Engler, Sänger von Pur, der vor kurzem in einer psychiatrischen Klinik eine (Alkohol‑)Entziehungskur gemacht hatte, beschrieb die Bedeutung des Songs.
Es sei manchmal so, dass man ausbrechen wolle, weil man es nicht mehr aushalte und weil man von allen Seiten Druck bekäme. Es sei auch so, dass man einen Schnitt machen wolle, um sein Leben zu ändern – Betonung auf „sein Leben“!
Dann müssten eben die, mit denen man zusammen durch die Zeit geht, die Handbremse ziehen und sagen: „Du hast zu funktionieren und Du machst gefälligst das, was man von Dir verlangt! Alle Andere hat Dich nicht zu interessieren. Du hast eine Aufgabe! Mehr nicht!“

Stellen wir uns eine Ehe vor, in der sich die Ehepartner nur noch angiften!

Die Frau sagt sich irgendwann, dass es keinen Sinn mehr habe, einfach so weiterzumachen und so zu tun, als sei alles im Lot.
Sie akzeptiert z. B. nicht mehr die Alkoholsucht des Mannes und hat ihn immer und immer wieder daraufhingewiesen, in Therapie zu gehen. Da der Mann nicht aufhört, Alkohol zu trinken, hat sie sich entschieden, ihn zu verlassen.

Laut „Irgendwo“ von Pur hat sie allerdings die Aufgabe, weiter zu funktionieren. Sie soll funktionieren, weiter funktionieren. Einfach ihren Teil in der Ehe weiter ausfüllen und die Alkoholsucht ihres Mannes weiter akzeptieren.

Weiter die Hölle durchmachen!

„Irgendwo in dieser Welt liegt ein bisschen Glück versteckt.“

Die Frau kann sich laut Pur glücklich schätzen, zu wissen, dass es irgendwo Glück gibt, es muss ja nicht ihres sein.

Das ist zynisch und entbiert jedem realistischem Denken!

Setzen – Sechs!

Es kann nur eine Lösung geben:

Blauer Lippenstift und eine Zigarette im Mundwinkel

In Gedenken

Werner Kleber, der Vater von Glühwürmchen

Ein Grab, ein Kreuz, eine Zahl,
das einzige, was noch an Dich erinnert!

Du warst mein Held, mein Hero aus den Kindertagen,
doch was wusste ich von Dir?

Lass ich alles Revue passieren,
so muss ich eingestehen, es ist nicht viel,
was ich über Dich schreiben kann.

Nie hast Du geschimpft,
nie ein böses Wort verloren,
egal, was wir angestellt haben.

Doch was wusstest Du über uns,
nicht viel!

Weißt Du, wie sehr ich Dich für Deinen unerschrockenen Optimismus bewundert habe?
Für Dich gab es immer einen Morgen danach,
egal, was für ein Schicksalsschlag kam.

Warum hast Du mir nicht ein klein wenig davon beigebracht,
und ihn mir auf meinen Lebensweg mitgegeben?

Du warst mit Mama verheiratet,
doch lebtet Ihr beiden Euer eigenes Leben!

Warst Du zufrieden mit Deiner Ehe?
Diese Frage hätte ich Dir noch so gerne gestellt!

Doch wie ich Dich kenne, hättest Du das bejaht!

Manchmal denke ich bei mir,
Du hast in Deiner Traumwelt gelebt,
eine, die es nie gab!

Die wüsten Beschimpfungen Deiner Frau,
uns gegenüber, hast Du es gewusst?

Warum hast Du immer geschwiegen?
Warum hast Du die Augen verschlossen?

Was war es, was Dich so sehr an diese Frau band,
welches Geheimnis gibt es?

Wenn Du glücklich mit ihr gewesen wärest,
warum die vielen Freundinnen nebenbei?

Fragen, die Du mir nicht mehr beantworten kannst!

Was ist in unserer Kindheit nur geschehen,
dass alle Deine Töchtern es nicht schaffen,
ihr Leben zu meistern?

Sowie Mama immer betonte, hast Du uns über alles geliebt,
doch gezeigt hast Du es uns nie!

Als ich damals rausgeflogen bin,
warst Du damit einverstanden?

Warum hast Du nichts unternommen?
All die Jahre, die wir kein Kontakt haben durften, wegen Mama, warum?

Du hast immer so geduckt, warum?
Was war bei Dir passiert?

Warum bist Du so geworden?
Wie war Deine Kindheit, war sie glücklich?

Nie haben wir darüber sprechen können,
und nie hast Du etwas erzählt!

Warum …

Warum wurde es totgeschwiegen,
dass Dein Vater noch ein zweites Mal geheiratet hat,
warum wurde uns erzählt, er sei tot,
obwohl er noch lebte?

Papa, was war so schlimm daran …

Manches Mal denke ich mir,
Du warst ein sehr einsamer kleiner Mann,
der in seiner Traumwelt lebte!

Wo immer Du auch nun bist,
von wo aus Du immer mich siehst,
ich wünsche mir so sehr,
dass Du nun das gefunden hast,
was Du Dir hier immer erträumt hast!

Papa, ich behalte Dich lieb,
auch wenn ich über meinen Erzeuger,
einen kleinen sympathischen, liebenswerten Mann, gar nichts weiß!

Doch das Geheimnis, der Grund, warum Du ein Leben lang mit Mama zusammengeblieben bist, werde ich nie erfahren!

Das ist etwas, was Du am 22.02.08 mit auf auf Deine Reise genommen hast.

Du wärest heute 81 Jahre alt geworden.

Eigentlich …

Zu groß und lebendig waren und sind die Erinnerungen an das „Stück Metall“.

Das „Stück Metall“ „lebt“ weiter.

Foto-Golf-350

Auch wenn es nur ein seelenloses Stück Metall ist, es ist nicht leicht, es einfach abzumelden und hinzustellen, doch es ist „notwendig“.

Ein Auto, wie man es sich wünscht!
Robust, bequeme Sitze, großer Kofferraum, gute Straßenlage, wendig, wenig Verbrauch, leiser Motor, kaum Reparaturen.
Das ist nur die technische seelenlose Seite.

Viele Erinnerungen

Niemals hat der rote VW Golf mich im Stich gelassen, hat mich von hier nach da gebracht. Wenn er erzählen könnte, wo er alles war, man könnte Bücher damit füllen.
Mehrmals Urlaub auf der Ostseeinsel Fehmarn, bei großer Hitze ging es voll mit Koffern dort hin, Devil war dabei. Zwischendurch immer wieder Pause, weil es Devil zu heiß wurde.
Nach Halle an die Saale mit meinen Eltern, vier bis fünf Stunden Fahrt zu Verwandten. Stellenweise fuhren wir im Harz über Eis. Keine Ausrutscher, keine Unfälle, keine Schäden.
Es ging durch Wald und Flur, durch Tag und Nacht hindurch.
Von Norden nach Süden, von Osten nach Westen.
Urlaub in Norden an der Nordsee, wieder Devil dabei, das Auto wieder vollgepackt, ging es los. Kein Schwächenanfall. Alles erkundigt.
Auch der Unzug nach Schwaben hat hervorragend geklappt mit meinem Golf.
Nur Devil konnte nicht mit.
Vollgepackt mit Koffern und Utensilien ging es dorthin zu neuen Ufern.

Zu meiner Herzallerliebsten

Er brachte mich am 28.6.2008 nach Köln, wo das Treffen der Herzen stattfand und ein niemals-endendes Kapitel meines Lebens begann.
Nach über vierzig Jahren wusste ich endlich, was es bedeutet, glücklich zu sein …

… nach „einem halben Leben“!

Er brachte mich zu Glühwürmchen, damit sie von mir unendliche Liebe empfangen konnte und ich von ihr.
Er half uns beim Umzug, als wir – Glühwürmchen und Herzbeben – uns entschlossen, zusammenzuziehen. Er wurde nie müde.
Er half uns auch, als wir zusammen berufsbedingt vom Dorf in die Großstadt zogen, und stand „brav“ in der Tiefgarage, wurde wach, wenn wir los wollten und versah einfach seinen Dienst, vor allem, wenn er uns nach Nordrhein-Westfalen bringen sollte.
Fünf bis sechs Stunden Fahrt bis dorthin, im Winter im Schnee.

Wochenenden der Freude in Nordrhein-Westfalen!

Aber eben nur ein Stück Metall!

DenkscheibenSammelpunkt

Wir – Glühwürmchen und Herzbeben – haben in dem Artikel „Ich würde ja, aber …“ berichtet, welchen Eindruck wir auf unsere Zeitgenossen – Bekannte und Freunde – gemacht haben, als wir gewagt haben, unseren gemeinsamen Weg in der „Ferne“ zu gehen.
Wir haben unsere alltäglichen qualvollen tretmühlenhaften Spiralen verlassen und sind absolut glücklich darüber, wie wir nun leben.

Absolut glücklich!

Am vorigen Wochenende – 13.3.09 bis 15.3.09 – haben wir wieder während eines Aufenthaltes in Nordrhein-Westfalen mit unseren Zeitgenossen gesprochen und ihnen berichtet, wie es uns ergangen ist und wie erfolgreich unser Weg ist.

Man hörte uns interessiert zu …

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