Warnungen

Das Porträt: Dietmar und Sabine Schneidewind aus Böblingen haben sich dem Phänomen des verschrieben

Höflichkeit und Dampftechnologie

Wenn Sabine und Dietmar Schneidewind als die Edelleute von Syntronica auf öffentlichen Veranstaltungen wie dem Böblinger „Schlemmen am See“ auftauchen, gibt es so gut wie niemanden, der sich nicht nach dem seltsam gekleideten Ehepaar umschaut. Denn die Krankenschwester und der Diplom-Informatiker haben sich dem sogenannten Steampunk verschrieben.

„Wir wollen auffallen“, sagt Sabine Schneidewind, „und ich es, mit Leuten für ein Selfie zu posieren.“
Und das kommt sehr oft vor, ob beim „Schlemmen am See“, dem Cannstatter Wasen oder dem Stuttgarter Weindorf. „Egal, welche Veranstaltung: Wenn wir irgendwo hingehen, dann als die Edelleute von Syntronica“, sagt Dietmar Schneidewind. Bei diesen Edelleuten handelt es sich um die fiktiven Rollen, in die das Ehepaar schlüpft, wenn es dem Steampunk frönt.

Bei Steampunk handelt es sich um eine literarische Strömung der Science-Fiction, die Anfang der Achtzigerjahre Zukunftsvisionen vergangener Tage als alternative Realität fortschrieb. Ästhetische und kulturphilosophische Vorbilder der Steampunk-Autoren waren Werke von Jules Verne wie die „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ oder H.G. Wells und „Die Zeitmaschine“. Der Dampf, englisch „Steam“, spielt in den Szenarien des Steampunk eine entscheidende Rolle: Dampfmaschinen prägen die dieser Zukunftsvision vergangener Tage. Aus dieser literarischen Strömung entwickelte sich in den letzten Jahrzehnten eine blühende Subkultur, die sich über alle popkulturellen Bereiche erstreckt – von Brett‑ und Videospielen über Filme bis hin zu Musik, Mode und Kunst.

Modisch und kulturell lässt sich Steampunk als eine Art idealisiertes viktorianisches Zeitalter beschreiben. „Steampunks würden niemals eine Jeans anziehen“, sagt Sabine Schneidewind: „Männer tragen in aller Regel Anzughosen, Frauen Kleider oder Röcke mit Korsagen.“ Als Kopfbedeckung dient dem Steampunker ein Zylinder, der mit Steampunk-Elementen wie futuristisch anmutenden Schweißerbrillen verfremdet wird. Doch es geht nicht nur um Kleidung, sondern auch ums Auftreten: Ein saloppes „Hallo“ geht dem echten Steampunk nicht über die Lippen.
„Es heißt ‚Seid gegrüßt!‘“, erklärt Dietmar Schneidewind, „und dabei fasse ich mir ans Herz und verneige mich leicht. Unsere Umgangsformen sind höflicher und formaler als die anderer Menschen.“
Sabine Schneidewind fasst das Lebensgefühl des Steampunk so zusammen: „Wir leben eine Vergangenheit aus, die es so nie gegeben hat.“

Sowohl Dietmar als auch Sabine Schneidewind kamen zum Steampunk über die Welt der Mittelalter-Märkte. „Ich fand es schon immer toll, in andere Rollen zu schlüpfen“, sagt Sabine Schneidewind. Doch die Welt es Mittelalters kam der heute 50-Jährigen schnell zu plump vor. „Ich wollte etwas Edleres, Feineres“, so Sabine Schneidewind, die in der Verquickung aus viktorianisch anmutender Mode und entsprechenden Umgangsformen mit einer durch die Science-Fiction verfremdeten Dampftechnologie das ideale Spielfeld fand, um der Lust am gepflegten Spiel mit Rollen zu frönen.

Als Steampunks schlüpfen die Böblinger Dietmar und Sabine Schneidewind nicht nur in ungewöhnliche Kleidung, sondern in die Rollen der Edelleute von Syntronica. Und für diese beiden Zeitreisenden aus dem 14. Jahrhundert gibt es eine komplett ausgearbeitete Hintergrundgeschichte, die von den Schneidewinds auf ihrer Website Syntronica.Net in mehreren Kapiteln erzählt wird. Denn bei Steampunk gehe es um mehr als um Kleidung, so Sabine Schneidwind: „Es geht um Kreativität, um Ideen.“

Diese Ideen haben für Dietmar Schneidewind durchaus eine kulturphilosophische Dimension. „Ich bin aufgewachsen in einer Welt ohne und Smartphone“, sagt der 52-Jährige, der sich manchmal zu einer Zeit zurücksehnt, in der die Anfechtungen des digitalen Zeitalters noch nicht den Alltag bestimmten.
„Ein bisschen Nostalgie spielt bei Steampunk auf jeden Fall eine Rolle“, so Dietmar Schneidewind, der das Smartphone gerne ausgeschaltet lässt, wenn er in die Rolle seines Steampunk-Charakters schlüpft.

Die junge Generation kann mit den Ideen des Steampunk meist wenig anfangen: „Die meisten Steampunks sind in unserem Alter“, so Sabine Schneidewind. Deutlich wird das beim 24-jährigen Sohn und der 19-jährigen Tochter des Ehepaars Schneidewind: „Unsere Kinder akzeptieren, was wir machen“, erzählt Sabine Schneidewind, „halten aber ihren Abstand, wenn wir in unsere Rollen schlüpfen.“

Info

Vom 23. bis zum 26. November sind Dietmar und Sabine Schneidewind auf der Stuttgarter Messe „Modellbau Süd“ zu finden, wo sie in Halle 7 gemeinsam mit anderen Enthusiasten ein „Steampunk-Village“ präsentieren. Die Website ist unter www.Syntronica.Net zu finden.

Vielen Dank an die „Sindelfinger Zetung/Böblinger Zeitung (SZBZ)“ für das Überlassen des Zeitungsartikels!
Vielen Dank an Matthias Staber für das Porträt!

Weiterführendes

 


(Hier geht es zu „Teil 1“)

„Ich habe nachgedacht“, sagte ich zu meiner Gehmahlin, „Wir gehen kurz ins Schff und holen Synapsus. Vielleicht bekommen wir damit mehr heraus.“
„Das ist eine gute Idee, mein Schatz“, nickte sie mir zu.
Wir gingen hinaus durch das seltsame Tor, bei dem die Grüngekleideten standen und machten uns auf den Weg zu unserem Schiff.

„Wenn wir gleich zurückkehren, werden wir uns zu allererst mit dem Butler unterhalten“, sagte ich nach kurzem Überlegen und stellte meiner Gemahlin dar, dass der Butler uns „zeitreisende Edelleute“ genannt hatte. Dabei legte sich eine kurzzeitige Denkfalte über ihre ansonsten makellose Stirn.

Im Schiff wurden wir überschwänglich von Cora begrüßt. Es kam uns vor, als wären wir zig Tage weggewesen. Sie sprang schwanzwedelnd an uns hoch und gab uns Küsschen.

Ich ging ins Technicum und kam mit Synapsus statt des Zylinders heraus.
Das Lauringlas brauchte ich nicht, denn Synapsus kann auch durch die Tarnung schauen.

Wir stiegen wieder die Strickleiter hinab und zogen sie wieder hoch. Diesmal nahmen wir allerdings Cora mit, da wir es nicht übers Herz brachten, sie schon wieder aleine zu lassen.
Sabine, Edelfau von Syntronica, lenkte kurz eine grüngekleidete Frau ab, während ich Cora an ihr vorbeilotste. Sie hatte nichts bemerkt.

Wir marschierten zu Dritt auf das Kuriositätenkabinett des Butlers zu.
„Wie ist Ihr Name?“ fragte ich ihn hötlich.
„Francis!“
„Francis … was sehen wir in Ihrem Kuriositätenkabinett?“ begann ich die Befragung.
„Die Frau mit dem Bart“, fing er an zu prshlen, „das Kind mit der Lederhaut, der stärkste Mann der Welt.“
„Und zeitreisende Edelleute“, unterbrach ich ihn, worauf er kurz ins Stocken kam und stutzte. Er ging einen Schritt nach hinten. Dann fing er sich wieder. Ich hatte ihn ertappt, doch er wollte es überspielen. Neben mir materialisierte sich plötzlich eine komisch angezogene Figur mit einer riesigen Glaskugel als Kopf. 


Ich erschrak . Durch Synapsus spürte ich eine leichte Vibration.

Aus dem Inneren der riesigen Glaskugel konnte ich jemanden auf Angelsächsisch sprechen hören.

„Houston, wir haben ein Problem.“

 

Fortsetzung folgt.

© Dietmar Schneidewind, Syntronica.Net

Roll over Beethoven

„Es geht darum, gewollt zu werden, und nicht, gebraucht zu werden.“

H a ⅼ l o w e e n !

Nachrichten Deutschland Politik Dietmar Syntronica Herzbeben

Heute fand im Reichstagsgebädue die konsituierende Sitzung des 19. Bundestags statt.
Der Alterspräsident Hermann Otto Solms, FDP, eröffnete die Sitzung.

Seit 1848 war es bis eine Ausnahme – 1933 – Tradition, dass der älteste Abgeordnete diese Sitzung eröffnete. Schließlich heißt es „Alterspräsident“.
Die CDU und die SPD haben vor der Bundestagswahl, die am 22.9.2017 stattfand, damit gebrochen und die Regeln so umformuliert, dass der dienstälteste Abgeordnete nun der „Alterspräsident“ sei. Dies ist voller Panik geschehen mit Hinblick darauf, dass Albrecht Glaser von der AfD – laut Prognosen – in den Bundestag einzieht. Die Ernennung Glasers wurde mit diesem miesen Beschluss verhindert.

Nun wurde also Hermann Otto Solms – mit 33 Jahren Dienstzeit angeblich die längste – als Dienstalterspräsident deklariert.
In seiner Eröffnungsrede sagte er, man habe die Entscheidung der Wähler zu akzeptieren und warnte davor, Sonderregelungen zu schaffen, auszugrenzen oder gar zu stigmatisieren.

Hier zeigt sich, dass er zu lange Politiker ist. Er gibt sich staatsmännisch, geht auf den Wählerwunsch ein und bekennt sich zur Meinungsvielfalt.
Gleichzeitig nimmt er aber die neue Regelung für sich in Anspruch, „Alterspräsident“ zu werden bzw. zu sein. In diesem Kontext hätte er sagen können, er lehne den Posten ab und hätte an Glaser verweisen können.
Das wäre glaubwürdig gewesen. Er tat dies aber nicht.

Dies ist Heuchlerei en gros!

(Hier geht es zu „Teil 1″)

„Das Volk hat ja das menschenverachtende System unter Honecker hinfortgejagt“, sagte ich und dachte an die zig millionen armen Seelen, die gezwungen waren, in der so genannten „Deutschen Demokratischen Republik“ ihr Dasein zu fristen.

„Und dann die rechtlichen Querelen“, sagte meine Gemahlin mit düsterer Stimme, „Ich weiß jedenfalls … Wenn ich einmal vor ein Gericht gezerrt werde, schreie ich ganz laut: ‚Aua, meine Leber!‘ und will deswegen freigesprochen werden.“

Ich stimmte ihr nickend zu.

Der Trabant war aus der Modellreihe 601. Seltsam war allerdings, dass kein Insasse dort drin war. Auch das fehlende Kennzeichen machte mich stutzig.

Sabine, Edelfrau von Syntronica schaute mich an, fragte dann: „Synapsus hast Du nicht dabei…?“

„Den habe ich im Schiff“, schüttelte ich den Kopf, „Ich habe nur das Monokel mit den Laurinsichtglas dabei. Damit kann ich aber nur das Schiff sehen.“ Ich tippte mir an die Krempe des Zylinders.

„Was kann ich für Sie tun?“, sprach uns plötzlich ein Mann an, der wie ein angelsächsischer Diener – „Butler“ in der Landessprache genannt – gekleidet war, „Was kann ich für die zeitreisenden Edelleute tun?“

„Hm!“, machte ich, „Wir sehen hier kuriose Dinge, die wir nicht erklären können, doch dabei werden Sie uns kaum helfen können.“

„Ihr Wunsch ist mir Befehl, mein Herr“, erwiderte er und drehte sich den umherlaufenden Passanten zu: „Kommen Sie, kommen Sie! Hier sehen Sie etwas, was Sie noch nie sahen und was Ihnen noch lange in Erinnerung bleiben wird.“

Ein paar der leicht Ethanol vergifteten Leute blieben stehen und ließen sich in sein Kuriositätenkabinett einladen.

Ethanol oder Ⅽ2H5OH, die ewige Geisel der Menscheit!

Kopfschüttelnd gingen wir weiter, da dies nicht unser Niveau ist.

Erst dieser seltsame Zeitdämon mit der Geige, dann die Blechkarosse, dann der Butler.
Dazu kam noch, dass uns dieses Volksfest „Cannstatter Wasen“ Magendrücken verursachte.
Uns war ganz mulmig zumute.
Wir schauten uns weiter um.
„Was mir komisch vorkommt“, sagte ich, „ist das Kuriosum, dass es hier Gegenstände gibt, die nicht in diese zeit gehören. Dazu noch das Materialisieren der Blechkarosse aus dem späten 20. Jahrhundert.“
Wir flanierten, nein, wir rannten planlos über den Kramermarkt. Auch die Sprache war etwas anders als sonst, eher restringiert als elaboriert.
Meine Gemahlin schaute sich eine kleine Maschine namens „Entsafter“ an. Dies nahm im Bauch mehrere Orangen auf, um sie danach mittels anbarischer zu zerdrücken und auszuquetschen. Unten kam Saft heraus.

Dieser Apparat war noch gar nicht erfunden. Auch fanden wir auf die Schnelle nicht heraus, woher die anbarische Energie kam. Dort lagen einige glänzende, feine Kordeln herum, die jedoch nicht geknüpft schienen.
Der „Entsafter“, der aus Orangen – die man nicht auf so einem Markt feigeboten bekam – Saft machte, schien die Aufmerksamkeit vielen Marktbesucher zu erheischen.
Weswegen die Leute Pappkartons mit aufgemaltem „Entsafter“ gegen Numismata eintauschten, blieb uns auch fremd.

Fremd wie so vieles hier!

„Jederfalls sind wir nicht im 19. Jahrhundert“, sagte meine Gemahlin, „oder die zweite Variante ist, dass wir es doch sind, aber jemand hier herummanipuliert.“

Hier geht es zu Teil 4 

© Dietmar Schneidewind, Syntronica.Net

Roll over Beethoven

„Eines Tages wird alles gut sein, das ist unsere Hoffnung.
Heute ist alles in Ordnung, das ist unsere Illusion.“

Voltaire

Edelherr und Edelfrau von Syntronica

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(Hier geht es zu „Teil 1″)

„Was war das denn?“ fragten wir uns gleichzeitig und sagten auch gleichzeitig: „Keine Ahnung!“
So viel war also klar.  – Wir wussten es nicht.
Fern von dem Dorf, das wir schnell verlassen hatten, hörten wir die schlimme, verstimmte, schräge  Geigenmusik.
Wir rätselten eine ganze Zeit, wo der Zeitdämon herkam, beschlossen dann, uns erst mal umzuschauen, ob wir irgendetwas entdecken könnten. Wir nahmen uns vor, nach Kleinigkeiten zu suchen, die uns weiterhelfen könnten.

Eins war uns klar, ein Pferderennen gab es hier nicht, wohl aber etwas, dass in einer Jahrmarktshäuschen en miniature stattfand und sich aus dem Angelsächsischen übersetzt „Verrücktes Kamel“ nannte.
Dort galoppierten – Es sah zumindest im Groben so aus. – kitschig angemalte Holzkamele in Rinnen.
Was immer dies sein sollte!

Alles war hier seltsam, alles vertraut, aber gleichzeitig unbekannt !

An einem abgezäunten Bereich passierte es plötzlich !
Es leuchtete hell, der Zaun begann zu glühen und ein kleines Areal schmolz. Es quietschte metallen. Sabine, Edelfrau von Syntronica und ich sprangen geistesgegenwärtig zur Seite.


In dem Zaun war eine grünlich-bläuliche Bleckkarosse zum Stehen gekommen.
Das Leuchten war verschwunden, das so eben noch heiße Metall war in Windeseile wieder in einen festen Zustand übergegangen. Nichts tropfte mehr.
„Wie kann das sein?“ fragte ich meine Gemahlin, als sie sich der Blechkarosse genähert hatte.  „Das ist fürwahr erkaltet“, sagte sie und strich mit der Hand über das Vorderteil.
Ich hatte kurz die Tür geöffnet und schaute mich etwas um.

Seltsam, seltsam!
Erst dieser riesige Zeitdämon, dann diese komische Kutsche!

„Das ist aber kein Lloyd vom Borgward-Konsortium“, meinte meine Gemahlin, „der sieht zwar ein bisschen so aus, aber beim  genauen Hinsehen bemerkt man schon die Unterschiede. Er fühlt sich auch nicht so an wie das filzgepolsterte Kunstleder.“
„Nein, nein“, lenkte ich ein, „diese wohl eher Duroplast-Karosse nennt sich ‚Trabant‘, also ‚Gefährte‘. Er wurde in der Neuzeit in der sogenannten Deutschen Demokratischen Republik produziert, bis ins Jahr 1990 hinein.“
„Die sogenannte DDR“, rümpfte Sabine, Edelfrau von Syntronica die Nase, „ein schlimmes Kapitel“.

Hier geht es zu Teil 3 

© Dietmar Schneidewind, Syntronica.Net

Wir hatten gerade die Zeit 1867 verlassen und waren mit unserem Schiff unterwegs zum Zeitbahnhof Saar-Pfalz.
Wir sinnierten noch etwas über unsere gerade beendete Reise, wie es war, Otto von Bismarck und seine Gesetze beim Keimen und Werden kennenzulernen. als uns eine harte Ätherwelle ziemlich gewaltig durchschüttelte.
Das Schiff drehte sich dabei mehrmals um die eigene Achse. Wir – Edelfrau von Syntronica und ich – konnten uns irgendwo festhalten.
Die Lichter. Blitze und Wirbel des Zeitstroms rasten an uns in ungewohnter Geschwindigkeit und Richtung vorbei, wobei wir rapid rotierten. Im Strom der Zeit gibt es wegen der fehlenden Gravitation kein Oben und kein Unten, kein Links und kein Rechts, doch massive Trägheitskräfte zogen an uns, immer wieder aufs Neue.
Sabine, Edelfrau von Syntronica überlegte, während sie hin und her schaukelte, und begriff die Wellen, die uns schüttelten, und ließ sich los. Im nächsten Moment war sie an Steuerruder. Ich hatte verstanden, wartete, bis sich das Zerren in eine bestimmte Richtung bemerkbar machte, und sprang in Richtung der Schubhebel. Die Dampfmaschine schnaubte und es rasselte und quietschte laut, doch wir kamen wieder in einen ruhigeren Zustand. Nach einigen wilden Hüben standen wir.
Cora, unsere Hündin, fand das Gepoltere und Gezerre ganz toll und kläffte schwanzwedelnd vor Freude. Sie hatte einen Knochen, der durch die Räume flog, geschnappt und freute sich aufgrund ihrer Beute.
Ich richtete meinen Zylinder zurecht und setzte die Brille ab.
„Puh!“, sagte meine Gemahlin, „das war aber ein gewaltiger Rumms.“ und lächelte mich an.
Cora hatte sich derweil auf das Kanapee gelegt und schmatzte genüsslich.
„Heute ist nicht mein Tag“, sagte ich und strich mir den Frack gerade.
Wir schauten nach draußen und sahen, dass wir über einem Platz mit buntem Treiben schwebten.
„Der Wasen“, sagte Edelfrau von Syntronica, „wir sind angekommen.“
„Aber was war das Schütteln und Reißen?“
„Keine Ahnung! Steigen wir erst mal aus!“
Cora stand neben uns und wedelte erwartungsvoll mit dem Schwanz.
Ich manövrierte unser Schiff auf einen Platz nahe eines Spielplatzes, auf dem Kinder große kurios dreinblickende Blechkutschen nebeneinander aufgereiht und vergessen hatten, diese wieder mit nach Hause zu nehmen.
Sie werden wohl wegen dieser Unaufmerksamkeit Ärger mit ihren Eltern bekommen!
Edelfrau von Syntronica warf die Strickleiter herab und machte sich daran auszusteigen.
Ich beruhigte Cora, dass wir bald wiederkämen und sie leider nicht mitkommen könnte, da wir leider ein Schild gesehen hatte, auf dem eine Silhouette eines Hundes zu sehen war, der aber durchgestrichen war.
Ihr Schwanzwedeln verebbte und sie legte sich mit einem mürrischen Knurren auf das Kanapee zurück. Ich ging auch die Strickleiter herunter.
Die Strickleiter war einige Augenblicke später wieder oben am Schiff befestigt, sodass niemand hineinkonmmen konnte.

Nun standen wir beide draußen.

Dort, wo das helle, blinkende Licht herkam, waren seltsame Utz-Utz-Utz-Rhythmen zu hören. Dazwischen seltsame Sprechgesänge. Als wir etwas später auf einem anderen Platz waren, sang eine Frau darüber ein Lied, dass sie atemlos durch die Nacht gelaufen sei, aber sie hatte wohl nirgends einen Medikus gefunden. Ihr Ehegatte musste wohl auch dabei gewesen sein, aber mehr auf ihr Aussehen geachtet haben, als sie zu einem Helfenden zu bringen.

Wir gingen durch ein Tor, dem Eingang zum „Cannstatter Wasen“, der irgendwie anders war als sonst. Seltsam in Leuchtend-Hellgrün gekleidete Leute durchsuchten unseren kleinen Holzkoffer, fanden aber nichts.
„Warum müssen wir den kleinen Ausgehkoffer meiner Gemahlin öffnen?“, fragte ich eine grüngekleidete Frau, „Haben Sie nicht so einen Monokol wie ich …“ Ich tippte an meine Zylinderkrempe „.. mit  dem man durch festes Material sehen kann?“
Wesewegen sie mir vorschlug, ich könne ihre Arbeit tun und sie ginge auf den „Wasen“ ist mir bis jetzt schleierhaft.

In einem Dorf mit dem Namen „Almhütten-Dorf“, wohl einer Bauern‑ oder Sennersiedlung, fanden wir auch rasch eine Wurstbräterei.
Wir kamen allerdings nicht dazu, das Feilgebotene zu erstehen, weil plötzlich die Bewohner und Gäste dieser Siedlung schreiend mit weit aufgerissenen Augen umherliefen.

Ein riesiger ekelhaft anzusehender Zeitdämon mit roter Kutte hatte sich vor ein Haus gestellt und spielte eine sirrende Melodie auf seiner Geige.
Sabine, Edelfrau von Syntronica, schaute erstarrt zu der grauenhaften Gestalt, die wohl  mindestens acht Württembergische Ellen groß sein müsste. hoch und hielt sich die Hand vor den Mund.
„Oh, mein Gott!“
„Das Gegenteil, Menschenweib“, donnerte das Riesenskelett mit der Kutte zurück und lachte donnernd dreckig. Dann setzte er seine grauenhafte Melodie fort.
„Lass uns hier verschwinden!“, rief ich meiner Gemahlin zu, als diese auch schon auf dem Weg zu mir war. Hand in Hand rannten wir.

Die Melodie war so grausam, dass ich mich fragte, bei welchem Lehrmeister er wohl das Instrument gelernt hatte. Dieser musste ziemlich schlecht gewesen sein oder der Dämon ein schlechter Schüler. Vielleicht lag es auch daran, dass er mit den riesigen Knochenhänden den Geigenbogen nicht festhalten konnte.

Wir kamen auf einen großen Platz an.

Hier geht es zu Teil 2 

© Dietmar Schneidewind, Syntronica.Net

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